Die Hauptstadt der Camargue

Sich auf dem Weg nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu verfahren geht fast nicht: ab Arles ist das (zu fast jeder Jahreszeit) von Touristen bevölkertes

Städtchen gut beschildert, und eigentlich geht es immer nur geradeaus in Richtung Süden. Ein erstes Indiz, dass man im Nationalpark Camargue angekommen ist: es ist nur noch flach. Kein Hügelchen, keine Erhebung. Umso südlicher man gelangt, desto mehr säumen Reiter- und Gasthöfe die Straße, die typisch weißen Pferde warten in ihren Boxen auf Ausritte, grasen auf der Weide. Hier und da sieht man auch schon scheinbar wilde Pferde. Scheinbar, weil sie zwar nicht auf eingezäumter Wiese grasen, dennoch einen Besitzer haben. Ebenso wie die schwarzen Stiere, die man in der Camargue antreffen kann.

Und plötzlich ist man in Saintes-Maries-de-la-Mer angekommen. Noch bevor das Städtchen durchfahren ist fragt man sich, ob hier auch Menschen wohnen, oder nur Touristen. Tatsächlich ist hier einiges los, und das zur Nebensaison, wo andere Städtchen der Provence wie ausgestorben wirken. Doch gerade in dieser Woche findet der jährliche (religiöse) Höhepunkt des Ortes statt. Um den 24. Mai eines jeden Jahres bevölkern unzählige Wallfahrer den Ort. Insbesondere Sinti und Roma, die ihre Schutzheilige „schwarze Sara“ ehren möchten, dafür aus ganz Europa nach Saintes Maries de la Mer angereist kommen.

St. Maries: Natur, Action, Religion

Das kleine Städtchen hat tatsächlich einiges zu bieten.

Beginnen wir mit der wunderbaren Natur. Die Camargue ist nicht ohne Grund ein Nationalpark. Wer sich für die Artenvielfalt interessiert kann entsprechende Touren buchen, Ausflüge unternehmen. Muss es aber nicht. Weiße Pferde, schwarze Stiere und rosa Flamingos bekommt man auch so zu Gesicht. Am Wasser entlang in Richtung Osten gehen, nach wenigen Minuten erschließt sich einem der kilometerlange Strand. Direkt an diesem entlang oder ein paar Meter weiter hinten versetzt den guten Fußweg nutzen, einfach loslaufen. Oder losfahren. Für Wohnmobile gibt es eine extra ausgewiesene Fläche entlang des Strandes. Gerade in der Nebensaison findet sich ein ruhiges Fleckchen am Strand, und auch in der Haupturlaubszeit ist dieser dank seiner Weitläufigkeit nicht allzu übervölkert. Zumindest, wenn Sie bereit sind ein Stück zu laufen. Empfehlenswert an dieser Stelle: ein Fahrrad. Auf dem Weg, der parallel zur Küste verläuft kann man Kilometer zurücklegen, bis nach Beauduc oder Salin-de-Giraud radeln. Zwischendurch einfach mal ins Meer hüpfen.

Veranstaltungen gibt es in St. Maries de la Mer viele. Zu den wichtigsten gehören die zwei Wallfahrten im Jahr. Am 24. Mai sowie Ende Oktober werden Prozessionen, Messen etc. zu Ehren von den Heiligen Marie Jacobé und Marie Salomé abgehalten (daher auch der Name des Ortes). Im Mai pilgern außerdem Sinti und Roma aus ganz Europa nach Saintes-Maries-de-la_mer um ihre Schutzheilige Schwarze Sara zu ehren. Zu diesen Anlässen wird gefeiert, es wird getanzt und es werden Kinder getauft. Wer – gerade im Mai – diesen Ort besuchen möchte sollte erstens zeitig reservieren, sich zweitens auf viele Menschen gefasst machen – und einfach mitfeiern.

Hinzu kommen Feste, kulturelle Veranstaltungen, und ja, Stierkampf. Allerdings nicht die blutige Version, wie wir sie aus Spanien kennen. Der „Courses Camarguaises“ ist wirklich nur ein spielerisches Kräftemessen mit den schönen schwarzen Stieren. Diesen wird eine Kokarde an die Hörner gebunden, Stier wie Mensch müssen Schnelligkeit und Geschicklichkeit beweisen. Der Stier wird anschließend nicht getötet, sondern darf wieder auf die Weise. Es ist also weniger ein Stierkampf, sondern vielmehr ein Spiel, ein Messen zwischen Stier und Mensch, bei dem keine Tierquälerei mit im Spiel ist.

Sport machen in St-Maries? Wo so viel Wasser ist, liegt Wassersport nahe. Windsurfer kennen den Ort, gibt es hier doch einen Speedkanal. Segeln, Kajaks ausleihen, … die Angebote sind vielfältig.

Der „Promenade á Cheval“, dafür steht die Camargue: Ein Ausritt auf den typisch weißen Pferden, zwischen den Etangs, direkt am Strand entlang. Wer nicht selbst reiten mag kann auch eine Kutschfahrt mitmachen.

Urlaub machen in Saintes-Maries-de-la-Mer

Ein Drittel des Ortes besteht aus Campingplätzen. Es gibt zwei recht große der gehobeneren Kategorie: „Camping de la Brise“ am östlichen Rand, direkt am Meer gelegen, ist der Größere. „Camping le Clos du Rhône“ ist westlich, etwas außerhalb von St.Marie zu finden, ebenfalls direkt am Meer, außerdem an der Mündung der kleinen Rhône. Jeder hat seine Vorzüge, La Bise ist als einer der wenigen uns bekannten Plätze faktisch ganzjährig geöffnet.

Darüber hinaus gibt es im Ort einige offizielle Wohnmobilstellplätze sowie unzählige Angebote an Ferienwohnungen, familiären Chambre d’hôtes, charmanten Hotels. Für jeden Geschmack ist also etwas dabei.

Pferde in der Camarque, St-Maries

St. Maries Strand

St. Maries de la Mer